NACKEN-ZUNGEN-SYNDROM
chronisches Nacken-Zungen-Syndrom

Zunächst die gute Nachricht, auch für Schmerzpatienten

Auf der Internetseite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit, daß seit dem 1.4.07 alle gesetzlich krankenversicherte Personen jetzt einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation (damit auch auf eine Schmerzrehabilitation) haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen können. Auch daß für eine Rehabilitation bei Berufstätigen automatisch die Rentenversicherung zuständig ist, stimmt nach diesen Ausführungen so nicht (mehr).

Jetzt aber zum Thema

Für das Nacken-Zungen-Syndrom wird manchmal auch die englische Bezeichnung Nec k-tong ue-Syndrom verwendet.

Dieser Kopfschmerz tritt attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und ist von einer unangenehmen Hypästhesie (= herabgesetzte Empfindlichkeit) bzw. Taubheit und Schmerzen im Bereich der gleichseitigen Zunge nhälfte begleitet. Manche Autoren berichten aber auch über Dauerschmerzen, so daß das Auftreten von "Schmerzanfällen" offensichtlich kein diagnostisches Kriterium darstellt.

Betroffen ist der Zungennerv Nervus (N.) lingualis, ein Nervenast des N. mandibularis (3. Ast des N. Trigeminus). Dieser Nerv versorgt sensibel (= Berührung s-, Schmerz- u. Temperaturempfindung betreffend) die vorderen beiden Drittel der Zunge (für das hintere Drittel ist der Nervus glossopharyngeus zuständig).
Die Schmerzen am
Nacken / Hinterkopf bzw. Hinterhaupt konzentrieren sich auf den Versorgungsbereich der 2. Zervikalwurzel (= Wurzel der Halswirbelsäule).

Die Ursache des Nacken-Zungen-Syndrom s ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation (= unvollständige Ausrenkung) des Atlanto-Axial- Gelenke s (= zwischen Schädel und Wirbelsäule gelegen) vermutet (Bogduk 1981).

In der Literatur wird für das Nacken-Zungen-Syndrom eine Schmerz auslösung durch plötzliches Drehen des Kopf es als diagnostisches Kriterium (= typisches Krankheitszeichen) angegeben. Hin und wieder sahen wir aber auch Patienten, bei denen diese Schmerzsensationen nach längerer Zwangshaltung des Kopfes auftraten (z.B. nach längerer Computerarbeit).

Schmerzbehandlung beim Nacken-Zungen-Syndrom:

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) beim Nacken-Zungen-Syndrom:
Wiederholte Blockaden der C2-
Nervenwurzel mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Bupivacain). Der Einstich erfolgt transversal (= waagrecht in Richtung auf die Wir belsäule) am Hinterrand des Musculus sternocleidomastoideus (= paariger Muskel im seitlichen Halsbereich) im oberen Drittel.

Zur Schmerztherapie einer begleitenden Glossodynie (Zungenschmerz) eignet sich die wiederholte (möglichst engmaschige) Leitungsanästhesie des N. mandibularis durch die Incisura mandibulae (= Einbuchtung des Unterkiefer s nahe am Kiefergelenk) hindurch mit jeweils ca. 2-3 ml Bupivacain (0,5%). Als nächst höhere Therapiestufe können beim Nacken-Zungen-Syndrom dann auch wiederholte Blockaden Ganglion stellatum (= Schaltstellen im unwillkürlichen Nervensystem im hinteren Rachen - bzw. seitlichen Halsbereich) durchgeführt werden.

In aller Regel reicht es aber nicht aus, diese Behandlung, wie leider so oft üblich, nur 1-2 mal pro Woche durchzuführen, da selbst die lang wirkenden Lokalanästhetica (= örtliche Betäubungsmittel) nur ein paar Stunden anhalten. Wir führen eine solche Behandlung konsequent 2 bis 3 mal täglich, auch am Wochenende durch, was aber für auswärtige Patienten eigentlich nur stationär oder zumindest teilstationär möglich ist.

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